Predigt

am 2. Advent 2009, von Pastor Matthias Grünhagen

Jakobus 5, 7-8
Seid nun geduldig bis zum Kommen des Herrn.
Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.
Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Liebe Gemeinde!

Adventszeit – Zeit der gespannten freudigen Erwartung
Die Adventszeit ist eine Zeit der freudigen Erwartungen. Gespannt wartet jedes Kind darauf, dass sich im Dezember an jedem Tag ein weiteres Türchen am Adventskalender öffnet. An jedem Sonntag am Advent wird eine weitere Kerze am Adventskranz entzündet.
Der 6. Dezember als Gedenktag des Heiligen Bischofs Nikolaus ist eine weitere Station und ragt sogar ein wenig heraus in der Zeit des Wartens auf die Bescherung mit den Gaben der Weihnacht. Denn, weil der Nikolaus solch ein großer Freund der Kinder, der Armen und der Schwachen war, und es liebte Geschenke zu machen, deshalb ist es bis heute Brauch in Erinnerung an ihn an seinem Gedenktag, dem 6. Dezember ebenfalls Geschenke zu machen.
Aber dieser Tag gehört letztlich doch in die ganze Reihe der Tage vor Weihnachten:
Zum Christfest gibt es das größte Geschenk. Da kommt in der Krippe, im Stall von Bethlehem Gott selbst als kleines Kind in unsere Welt.

Teil I: Warten macht ungeduldig

Das Warten aber ist manchmal ganz schön schwer. Dazu braucht man einen langen Atem. Ein anderes Wort dafür ist Geduld. Es ist die Fähigkeit, etwas auszuhalten, zu erdulden, auch wenn einem die Zeit dabei lang wird.
Solche Geduld braucht man aber nicht nur beim Warten auf Weihnachten. Man braucht sie überhaupt im Leben und zwar sowohl beim Warten auf freudige Ereignisse, als auch bei der Erwartung, dass etwas Bedrückendes auszuhalten ist, bis es endlich zu einem guten Ende kommt.
Wer diese Geduld nicht hat, wer die Zeit nicht abwarten kann, wer ungeduldig wird, der kann – was auch immer er tut – die Länge der Wartezeit nicht verkürzen.
Es sind nun einmal 24 Tage, die im Dezember bis zum Weihnachtsfest abgewartet werden müssen, und es hilft überhaupt nichts, die Türchen des Adventskalenders alle auf einmal zu öffnen. Davon wird es nicht Weihnachten. Von solch einer Verzweiflungstat der Ungeduld verdirbt sich einer höchstens den Magen, wenn er die enthaltene Schokolade dann auf einmal isst.
Das ist genauso mit dem Bauern, von dem der Apostel Jakobus schreibt:
Wenn der Bauer vor Ungeduld daran gehen wollte, bei der eben erst ausgebrachten Saat nachzusehen, ob sie denn schon gewachsen ist, oder wenn er versuchen würde, dem Wachstum nachzuhelfen, indem er an der Pflanze zieht, dann würde man ihn – für seine Dummheit – auslachen, weil er eben gerade mit seinem ungeduldigen Handeln, die im Sprießen begriffenen Wurzeln und Hälmchen zerstört, die doch in aller Ruhe und von ganz alleine gewachsen wären und zum Ziel der reifen Frucht geführt hätten.
<Ebenso wenig hilft es (ganz im Ernst gesagt) einem, der sein Leben nicht mehr aushält, sich vor einen Zug zu werfen. Das Ziel des Lebens erreicht man auf diese Weise nicht und schon gar nicht schneller. Da fehlt dann der nötige, lange Atem. DA bricht einer schon vor dem Erreichen des Ziels zusammen.>
Aber wie kann man dazu kommen, dass man bei der Zeit, die einem lang werden will, durchhält. Wie bekommt man die Geduld, die man dazu braucht?

Teil II: Gottes Wort verweist nicht nur auf Abläufe der Zeit,

sondern auf das, was der Sache nach zum Ziel führt EINE erste Hilfe gleichsam eine Strategie zum Einüben der Geduld haben wir auch beim Warten auf das Christfest vor Augen. Das ist so einfach wie hilfreich:
Das Augenmerk liegt hierbei zunächst auf der LÄNGE der Zeit: Bis zum 24. Dezember ist es fast ein ganzer Monat. Es ist eine Hilfe zu sehen, dass diese lange Zeit, aus einzelnen Tagen besteht, die – jeweils einzeln – schon etwas leichter zu überschauen sind. Da bedeutet es dann eben, nur noch einmal schlafen zu gehen, bis das nächste Türchen aufgeht. Aber noch ACHTZEHN MAL schlafen! DAS ist immer noch ziemlich lange!
Deshalb kommt eine weitere Hilfe hinzu, dass die Türchen nummeriert sind. Heute ist es schon das Sechste und jeden Tag ist ein weiteres Türchen offen. In jeder Woche brennt eine Kerze mehr auf dem Adventskranz. Man braucht also einfach nur zuzusehen, wie das Ziel immer näher rückt.
In dieser zeitlichen Reihenfolge ist auch die Bildrede in unserem heutigen Bibelwort zu verstehen: Der Bauer kann sich auf den Regen und den Sonnenschein in seinem Land einstellen und entsprechend zu der richtigen Zeit aussähen. Ebenso kann er sich darauf verlassen, dass die Ernte auch zur richtigen Zeit eingebracht werden kann.<In Israel waren die entscheidenden Zeiten, die auch genannt werden, die Zeit des Frühregens und des Spätregens, die den Weg zur Ernte bestimmen.> Jakobus will sagen: NUR GEDULD! Die Zeit wird schon kommen und dann kannst du dich freuen.
Daraus sollen wir lernen für unser Leben und für die Ernte, das Ziel das unser christliches Leben bringt: GEDULD. Zur rechten Zeit wird es soweit sein. Darauf kannst du dich verlassen.

Teil III:  Es gibt gute Gründe für die Geduld
Doch in dem Bild von dem Frühregen und Spätregen geht es (im Blick auf die Geduld) nicht nur um den zeitlichen Ablauf die Tage oder Jahre bis es soweit ist:
Sonst könnten die Christen sich ja einen Fahrplan für das Erreichen des Zieles machen, bis der HERR kommt und sein himmlisches Reich anbricht. Dieser Versuchung sind tatsächlich leider nicht wenige Christen erlegen und sind damit allesamt hereingefallen.
NEIN, es geht nicht darum, wie oft wir bis dahin noch schlafen, sondern um das, was zum Erreichen des Zieles nötig ist.
Für ein Getreidefeld in Israel ist es dieser Regen – nicht die Zeit an sich. Das Wasser ist einfach nötig zum Wachstum der Pflanzen. Ohnedem kann es keine Ernte geben.
Für uns Christen ist es deshalb auch wichtig, dass wir die Zeit auf dieser Erde nicht nur gelangweilt und ungeduldig absitzen, sondern dass wir uns – wie die Pflanzen – von Gott das schenken lassen, was uns dazu dient als Christen zu wachsen, heranzureifen und für Gottes Ernte bereit zu werden, d.h. in sein Himmelreich zu kommen.
DAZU wird es Advent, dass JESUS Christus zu uns kommt und das tut, was uns in den Himmel bringt:
ER hat uns schon längst eingepflanzt in Gottes Garten und Erntefeld, und den Frühregen gegeben in der Taufe. ER begießt uns mit dem Wort Gottes und lässt uns hören von Gottes Güte, damit wir weiter im Glauben wachsen.
Er lässt uns aber womöglich auch durch so manchen späteren Regenguss und Tränenströme noch weiter heranwachsen und reifen.
Am Ende jedoch führt er JEDEN zur rechten Zeit zur Vollendung des Lebens. Dazu lerne, lieber Christ: GEDULD, wo sie nur zu lernen ist.

Schluss: Geduld überall lernen – erst recht im Advent
Ja, oft ist es schwer zu warten oft sind es schwere Dinge oder Erlebnisse, die uns Geduld abverlangen. Gerade durch sie können wir aber auch tatsächlich Übung darin bekommen, abzuwarten und geduldig zu werden.
Wenn solch eine Übung in Geduld aber leicht ist, dann soll sie um so lieber genutzt werden: Ja, ÜBE die Geduld JETZT – im Advent beim zählen der Tage und Sonntage und bei allem Guten, das dein Gott dir in dieser Zeit gibt. Und dann übe weiter das Kirchentag hindurch und dein Leben lang.
Übe dich darin, die Gaben Gottes die dich in den Himmel bringen zu gebrauchen immer mehr und mit immer mehr Geduld. Denn dann kommst du durch seine Gnade nicht nur zum Heiligen Christfest, sondern zur Ewigen Seligkeit.
Amen.