Predigt für Sonntag Judika, 10. April 2011
von Pastor i. R. Johannes Junker
Die dritte Leidensankündigung:
Jesus nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ih-nen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war. Lk 18, 31-34
Liebe Gemeinde!
Beginnen wir heute einmal mit einer Liedstrophe, die wir in der Passionszeit immer so tapfer und überzeugend singen: Lasset uns mit Jesus ziehen,/ seinem Vorbild folgen nach,/ in der Welt der Welt entfliehen/ auf der Bahn, die er uns brach,/ immerfort zum Himmel reisen,/ irdisch noch schon himmlisch sein...(ELKG 252.1) Ich weiß nicht, wie es Dir geht, wenn wir dieses Lied singen. Ich fühle mich dabei zunächst immer maßlos überfordert. Ich denke auch, dass es den meisten Christen so geht, wenn sie den Liedtext innerlich mitverfolgen. Und erst recht, wenn es weiter heißt: Lasset uns mit Jesus leiden, seinem Vorbild werden gleich…(ELKG 252.2) oder sogar: Lasset uns mit Jesus sterben…(ELKG 252.3) Und das ist ja nicht das einzige Lied. Viele der Passionslieder haben den gleichen Gedanken, z.B.: Seele, mach dich heilig auf,/ Jesus zu begleiten gen Jerusalem hinauf,/ tritt ihm an die Seiten…(ELKG 68.1) Man könnte eine ganze Predigt mit solchen Liedern füllen. Wenn wir dabei aber überfordert sind und uns innerlich unwohl fühlen, müssen wir wohl versuchen, über zwei Hürden zu kommen. Und wenn wir sie in unserem Alter nicht mehr so leicht und elegant überspringen wie vielleicht früher, dann wollen wir sie wenigstens heute ganz unsportlich zu überklettern versuchen. Also diese beiden Hürden sind:
1. Die Vorbildfunktion Jesu
2. Die Nachfolgepflicht seiner Jünger
1. Die Vorbildfunktion Jesu
ist deshalb unser Problem, weil wir uns eben da maßlos überfordert fühlen, auch wenn wir uns das nicht anmerken lassen und Mut und Zuversicht zur Schau stellen. Es geht uns offenbar nicht anders als den Jüngern Jesu damals: Die hatten alle schon unzählige Wunder Jesu gesehen, hatten alle seine eindrücklichen und unvergesslichen Predigten mit gehört und nicht nur miterlebt, wie gütig und liebevoll er mit Armen, Kranken und Sündern umging, sondern auch, wie sich täglich sein Verhältnis zu seinem Vater im Himmel gestaltete und auf sein ganzes Leben auswirkte. Und sie hatten immer wieder von Jesus aufgezeigt bekommen, dass sein Leidensweg schon ganz klar in der hebräischen Bibel vorgezeichnet, von Gott selbst festgelegt worden war. Und da waren sie alle recht mutig geworden und wollten ihr Idol, ihr Vorbild bis aufs Messer verteidigen. „Und wenn ich mit dir sterben müsste, so will ich dich nicht verleugnen – sagte Petrus zuerst -. Das gleiche sagten auch alle Jünger“ (Mt. 26.35). Wir wissen, wie es weiter geht: Als es ernst wird, gibt es nur einen schwachen nutzlosen Verteidigungsversuch, dann verdrücken sie sich alle. Ihr Idol scheint vom Sockel gestürzt und sie stürzen mit: Verrat, Verleugnung, Angst! Von Ferne erleben sie die Ekel erregende Hinrichtung, sie schließen sich ein und wissen nicht weiter. Und gerade dieses unrühmliche Ende eines vorbildhaften Lebens und Wirkens wird bis heute auf allen unseren Altären mit Kruzifixen dargestellt. Kein Wunder eigentlich, dass es für Juden ein Ärgernis und die anderen eine Torheit, etwas Unsinniges, Ekelhaftes darstellt, wie schon der Apostel Paulus damals zu berichten wusste. Eigentlich! „Christus wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten“. Natürlich wissen wir heute, dass dies nicht das Ende war. Aber warum überhaupt das alles; und so? Und wenn schon ein solches Opfer, damit wir erlöst würden: hätte Gott das nicht auch unblutiger und weniger grausam gestalten können? Nun, liebe Gemeinde, das können wir noch soviel hinterfragen wie wir wollen: wir bekommen darauf keine befriedigende Antwort. Gott lässt sich erst recht nicht von uns vor den Kadi schleppen, zur Rechenschaft ziehen. Diese Hürde ist nur, wirklich nur, im Vertrauen darauf zu nehmen, dass ER wohl gewusst hat, warum es so sein musste. Und es geschah für uns, und nur für uns, an unserer statt. Zu keinem anderen Zweck. Dafür gilt es, ihm dankbar zu sein und ewig dankbar zu bleiben. In der Schule Gottes werden wir zwar auch das Leiden und Sterben zu proben und einzuüben haben. Dafür wird Christi Leiden und Sterben Vorbild bleiben. Aber der Sinn ist ein anderer: Wir erleiden verdient, „was unsere Taten wert“ sind – wie der eine Schächer am Kreuz richtig feststellte - unser Heiland und Erlöser aber stellvertretend unschuldig nur für uns. Wer auch immer sonst versuchen wollte, mit einem stellvertretenden Leiden andere zu erlösen, und auch darin unserem Vorbild Christus zu entsprechen, würde selber an dieser Hürde schmählich zerbrechen und zu Schanden werden. Es kann sehr leicht sein, dass es uns so wie den Jüngern damals geht: „Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.“ Das ist nur mit dem Glauben zu verstehen. Darum singen wir in dieser Zeit getrost:
Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Ärgernis und eine Torheit werden:
So sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weißheit Gottes. (ELKG 71.7)
Aber da ist ja noch die 2. Hürde, Die Nachfolgepflicht seiner Jünger.
Christus fragte seine Jünger nicht, ob sie seinen schweren Weg mitgehen wollten und ob sie sein Leid mit ihm teilen möchten oder nicht. Er nimmt sie einfach mit. Er sagt: „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn“. Er fragt nicht: Wie hättet ihr’s denn gerne. Er lässt ihnen keine Wahlmöglichkeit. Sie hatten ja schon so oft seine Aufforderung: „Folge mir nach!“ gehört. Sie waren ihm ja auch schon auf der „Ruhmesstraße“ bisher gefolgt. Sie hatten all die herrlichen Wundertaten Gottes miterlebt. Sie hatten sich gefreut, wie sie von Volk gefeiert wurden und die Schar derer, die ihnen nachfolgte, immer größer geworden war. Hätten sie wirklich gewusst, was ihnen da in Jerusalem alles zugemutet werden würde, wären sie sicherlich umgekehrt. Nicht ohne Grund hatte ja auch Petrus bei einer solchen Leidensansage geantwortet: „Herr, das widerfahre dir nur nicht! (Mt.16,22) Wir können uns gut vorstellen, dass sie wohl vor dieser letzten Hürde halt gemacht hätten, wenn sie wirklich die Konsequenzen erkannt hätten. Aber wir hören ja: „Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war“. Liebe Gemeinde! Vielleicht ist es gut, wenn auch wir nicht alles wissen und verstehen, was uns in der Leidensnachfolge Jesu noch alles widerfahren könnte.
• In einem Braunschweiger Gemeindebrief habe ich kürzlich von der Expansionsgefahr des Islam auch in Deutschland gelesen. In einer islamischen Jugendzeitschrift wurde schon vor 15 Jahren geschrieben: „Dieses Land (Deutschland) ist unser Land und es ist unsere Pflicht, es positiv zu verändern. Mit der Hilfe Allahs werden wir es zu unserem Paradies auf Erden machen, um es der islamischen Ummah (Weltgemeinschaft)…zur Verfügung zu stellen“. Und das kann mit dem Koran begründet werden: „Allah hat euch zu Erben gesetzt über die Ungläubigen, über ihre Äcker und Häuser, über alle ihre Güter und alle Lande, in denen ihr Fuß fassen werdet“(Sure 33,27). Was kann da wohl noch alles auf uns zu kommen? Ob wir uns dann wohl auf dem Weg der Jesusnachfolge bewähren werden?
• Oder: Persönliche Leidenszeiten, die wir alle wohl früher oder später durchzumachen haben, Krankheit, Not und Tod können uns an die Grenzen unserer Leidensfähigkeit führen. Wer das noch nicht erlebt hat, kann es auch in der Bibel, etwa im Buch Hiob nachlesen. Ob wir uns dann als würdige Kreuzträger Jesu erweisen werden? Oder wird uns der Herr Christus wie einst seine Jünger fragen müssen: „Wollt ihr auch weggehen?“, euch verkrümeln, abtauchen? Wollen wir uns dann lieber auf uns selbst oder auf andere „Erlöser“ verlassen? Gott gebe, dass wir dann nachbeten können, was die Jünger damals antworteten: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“(J6,67ff). Liebe Gemeinde! Unser Herr Jesus Christus hat uns seit unserer Taufe damals immer wieder zugerufen: Folge mir nach! Auch diese zweite Hürde ist von uns aus alleine nicht zu bewältigen. Auch hier wird uns unser Heiland Jesus Christus ganz allein darüber helfen müssen. Und so singen und beten wir weiter um Gottes Hilfe und Geleit dafür:
Gib auch, Jesu, dass ich gern dir das Kreuz nachtrage,
dass ich Demut von dir lern und Geduld in Plage,
dass ich dir geb Lieb um Lieb. Indes lass dies Lallen
- bessern Dank ich dorten geb-, Jesu, dir gefallen.(ELKG 67.6)
Amen.